Stadt vs. National Park

Geschrieben: Daheim in Deutschland, 18. September, Ortszeit 4:04 Uhr

Wer so viele National Parks besucht, der ist irgendwann auch mal froh wieder eine gröÜere Stadt zu sehen. So ging es uns, als wir Kurs auf Los Angeles nahmen. Das ist nichts gegen die Parks, aber nach so viel Natur, und manchmal auch Einsamkeit, ist es auch mal wieder schön das Pulsieren einer GroÜstadt zu erleben.

Natürlich darf auf einer ersten Westküsten-Tour durch die USA LA nicht fehlen. Doch danach ist man dann auch kuriert. So sehr ich mich auf die Stadt gefreut habe, so froh war ich auch, als wir gut drei Tage später wieder raus fuhren. LA ist vollkommen überbewertet! Zunächst fuhren wir nach Ontario. Dort gab es die gleichnamigen Mills. Ein riesen Outlet-Center mit vielen Markengeschäften, die zu spottbilligen Preisen zu meist Klamotten anbieten. Dort hab ich mir beispielsweise eine Winterjacke gekauft, die ich im Outlet in Las Vegas gesehen, aber dort dann doch (noch) nicht gekauft hatte.

Übernachtet haben wir drei Tage im BananaBbungalow in West-Hollywood (Farfax Ave Ecke Clinton Street). Das Hostel ist durchaus zu empfehlen. Es liegt sehr gut auch wenn die ÜPNV-Anbindung (insbesondere die Metro-Anbindung) nicht so optimal ist. Aber das fällt nicht ins Gewicht, wenn selbst die Tourist-Information empfiehlt in LA alles mit dem Auto zu machen.

Tja, aber was hat LA nun zu bieten? Gut, der Hollywood Boulevard ist am Kodak Theatre (dort werden die Ocars immer vergeben) schon ganz schick. Auch schön ist, dass man von dort aus einen der besten Blicke auf das Hollywood-Sign in den Hügeln des Parks sehen kann. Aber schon der â??Walk of Fameâ?? verliert seinen Zauber, wenn man weiÜ, dass man sich einen solchen Stern auf beiden Bürgersteigen entlang des Hollywood Blv. kaufen kann und muss. Die Hand- und FuÜabdrücke von einzelnen Stars, die man nicht kaufen kann, sind da schon imposanter (auch Hildegard Knef hat ihre Spure hier hinterlassen).

Tja, aber ehrlich gesagt das war es dann auch schon. Der Sunset Boulevard ist eine dicke StraÜe, entlang der Stadtteile Beverly Hills und Bell Air. Die beiden sind natürlich sehr schick, aber ein Stadtteil, der eine eigene Security hat (Bell Air), ist mir suspekt. Natürlich sind wir entlang gefahren und viele â??Celebrety-Tour-Busseâ?? haben uns begleitet. Doch was haben die wohl ihren Passagieren gesagt? Denn zu sehen gab es gleich null. Mal ein mächtiges Eisentor vor einer noch mächtigeren Einfahrt, und jede Menge Zäune, Hecken und andere Sichtbehinderungen auf den üppigen Anwesen.

Der Rodeo Drive (bekannt beispielsweise aus dem Film Pretty Woman) ist kleiner als gedacht, aber sehr schön. Eine Edelboutique reiht sich dort an der nächsten und zum Glück hatten dort die Läden im Schaufenster keine Preise an den Produkten geschrieben, sonst wäre ich noch auf die Idee gekommen, etwas zu kaufen â?? auf Pump versteht sich.

Am Ende unserer LA-Tour machten wir dann noch Halt an den diversen Stränden der Stadt. Ja, den Santa Monica Pier sollte man mal gesehen haben, vom berühmten Venice Beach hingegen würde ich dringend abraten. Dort hatten wir aber auch noch eine Übernachtung in einem Zimmer, dass einem Loch ähnelte (entsprechend klein war das Fenster und bescheiden die Aussicht daraus). Schwimmen kann man bei durchgängig 16 Grad Celsius Wassertemperatur an den Stränden im Jahr eh nicht. Venice ist dann auch noch so ein Szene-Viertel. Wer eine alternative Szene mit Kiffen und dem ganzen quatsch mag, der ist hier zu Hause, ich fand es schrecklich. Dafür gab es dort viele Basketball-Plätze und einen tollen Skateboard Platz, wo viele Leute stehen blieben und den â??Performernâ?? zuschaute. Das war schon ganz witzig.

Auf dem Weg dann nach San Francisco fuhren wir entlang der Küste und machten Halt am Malibu Strand. Von wegen immer gutes Wetter. Von wegen David Hasselhoff. Von wegen Baywatch. Dafür aber ein paar Surfer im Ganzkörper-Neopren. Aber auch Malibu ist kein Besuch wert.

AbschlieÜend: Wer ein bisschen was von den vielen Filmen, die dort gedreht werden, mitbekommen will, der kann in die weltberühmten Universal Studios gehen. 64 US-Dollar sind ein stolzer Preis. Und sicher ist er ob des Namens gut 20 bis 30 Prozent überteuert, aber die Studio-Tour mit einigen Vorführungen ist schon sehr cool. Und auch der Park mit Wildwasserbahn und Rollercoaster (allerdings für Anfänger, deswegen konnte ich auch mitfahren) war schon ganz nett. Wir hatten einen Werktag erwischt, an dem der Park nicht so voll war und selbst da haben wir es fast nicht geschafft alles zu sehen. Wer am Wochenende dort ist, der wird wahrscheinlich ewig vor den verschiedenen Attraktionen anstehen müssen und daher noch weniger sehen und geboten bekommen, dann wird es vom Preis-Leistungsverhältnis fast schon unverschämt, zumal der Park gerade mal acht Stunden am Tag geöffnet hat.

Alles in allem muss man LA und auch die Studios sicher mal gesehen haben. Aber das reicht dann auch. Für mich ist Los Angeles nicht die Stadt der Engel, sondern die Stadt der Enttäuschungen. So war ich dann auch froh, als wir uns zu unserer letzten Tour aufmachten.

Grand Canyon vs. Schwarzwald Klinik

Geschrieben: 18. September in Deutschland, Ortszeit: 3:50 Uhr

Die Überschrift mag überraschen und vielleicht auch die zugegeben etwas kitschige Geschichte. Jahrelang habe ich mit Amerika diese tollen Bilder von unendlicher Weite assoziiert, die bei der TV-Serie â??Die Schwarzwald Klinkâ?? lief. Damals war Prof. Brinkmann nach einem schweren Herzinfarkt in die Staaten geflogen, um sich von Spezialisten wieder fit machen zu lassen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, Urlaub zu machen. Tolle Bilder entstanden so mit ihm an der Klippe am Grand Canyon. Vielleicht nicht wenige werden jetzt denken, warum ist er nicht gesprungen, aber darauf will ich an dieser Stelle nicht näher eingehen.

Der Grand Canyon ist Atmen beraubend. Man kommt sich sooo, so winzig vor, wenn man vor dieser tiefen Schlucht steht und den Hals reckt, um nur etwas von dem Colorado River zu sehen. Zur Zeit wird der National Park ein bisschen aufgepeppt (Stichwort: â??Putting America into Work â?? das Konjunkturpaket von Obama), das tut dem ganzen aber keinen Abbruch.

Auch hier hat man die Möglichkeit einerseits mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und andererseits mit einem kostenlosen Shuttle zu fahren. Mit diesem kommt man am Ende auch weiter als mit dem privaten PKV oder Caravan. Alles abzulaufen ist aber wegen der Entfernung schier unmöglich. So ist es beispielsweise auch verboten an einem Tag den Canyon hinab und wieder hinauf zusteigen. Wer eine solche Tour machen will, muss sie guided unternehmen und im Tal des Canyons eine Nacht campen. Sicher ein cooles Erlebnis, aber wenn man die Schlucht sieht und sich dann überlegt, dass man da runter und dann wieder hoch muss â?? zu FuÜ â?? dem wird glaub ich auch ganz anders.

Um aufzuzeigen, wie riesig der Bereich des Grand Canyons ist, will ich auf ein weitverbreitetes Missverständnis hinweisen. An einer Stelle des National Parks steht ein Schild auf dem steht, der berühmte Skywalk (wandern auf einer Glasplatte im Stile des Roadrunners, wenn er über die Klippe gelaufen ist, einen Moment in der Luft verharrt und dann erst abstürzt) würde nicht zum National Park Service gehören und würde von Punkt des Schildes aber ca. 300 Milen entfernt im Indianer Reservoir liegen. Das sind mal AusmaÜe. Also, wer diesen Skywalk machen will, muss ganz woanders hin und auÜerdem viel Geld mitbringen. Auf dem Skywalk sind keine Kameras erlaubt, der Zutritt kostet aktuell wohl 30 US-Dollar. Hinzu kommt, dass er nur über eine Dirtroad (vgl. meinen Eintrag zum Mounment Valley) zu erreichen ist und die Parkgebühr bei 30 US-Dollar liegen soll.

Aber es bedarf auch keines Skywalks, um den Grand Canyon zu genieÜen. Es ist auch so einfach gigantisch und beeindruckend. Vielleicht hätten wir ein bisschen mehr Zeit mitbringen sollen. Wir hatten nur einen Tag, aber auch der hatte sich schon sehr gelohnt.

Dirtroad vs. Guided Tour

Geschrieben 10. September, 21:30 Uhr, Venice Beach, Los Angeles

Eine Vormittagsbesichtigung des amerikanischen Krankenhauswesens lieÜ den Plan zerschellen, an den Lake Powell zu fahren. Stattdessen machten wir uns am Mittag Richtung Mounment Valley auf. Darüber hatten wir im Vorfeld bereits viel gehört. Die Einen sagten, es würde sich nicht lohnen, die Anderen erzählten begeistert davon, wie toll dort doch alles sei. Wir überzeugten uns selbst. Fünf US-Dollar kostet der Eintritt zum Valley, weil das Gebiet den Indianern gehört, gilt da kein Pass für die National Parks.

Vom Visitor Center aus hat man den besten Blick auf die Felsbrocken. Und ja, es ist doch sehr beeindruckend. Die Felsen wirken gerade in der späten Nachmittagssonne besonders rot.  Wenn man näher ran will an die Felsen, muss man eine ca. 17 Milen lange so genannte “Dirtroad” befahren. Eine StraÜe also, die den Namen nicht verdient. Bereits nach wenigen hundert Metern drehten wir wieder um, weil die Schlaglöcher so manigfalig und so tief waren, dass wir uns nicht sicher waren, ob unser Mietauto das überlebt. Jetzt wussten wir, warum es Autoverleiher gibt, die explizt das Befahren von Dirtroads verbieten.

Tja, sehr schade, aber lieber so, also ein abruptes Ende der Tour wegen Achsbruch. Doch mit unserem Latain waren wir damit noch nicht am Ende. Die lieben Rothäute boten auch Guided Tours an. Dort sitzt man dann auf umgebauten Trucks uns rumpelt über die Road. Gerne hätten wir das gemacht, doch 70 US-Dollar erschien uns für die gut 17 Milen dann doch zu viel Geld. Vor allem auch deswegen, weil die Felsen natürlich von nahem nicht mehr so wirken wir zusammen aus der Ferne. Also entschlossen wir uns, nach kurzem Aufenthalt wieder zufahren. Knapp 300 Milen An- und Abfahrt für ein, zwei Mal gucken. Auch das gibt es wohl nur in Amerika.

Wer jetzt Recht hat? Die Einen oder die Anderen? Keine Ahnung. Ich kann beide Meinungen nachvollziehen.

Sunrise vs Sunset

Geschrieben: 10. September, 20:45 Uhr, Venice Beach, LA

Es war Henning, der mir bei Facebook im Vorfeld schrieb, dass der Bryce Canyon einer der schönsten National Parks in der Gegend sei. So ganz wollte ich das nicht glauben, denn immer noch waren wir in Utah. Aber Henning sollte Recht behalten. Am Sunrise Point starteten wir unseren “Hike” über den Sunset Point zunächst bergab. Das war schon ganz schön anspruchsvoll und eigentlich wollten wir nur einen 2,2 Milen “Spaziergang” machen. Unten angekommen sprach uns der x-te Amerikaner an, woher wir denn kämen. Er selbst war, wie viele Amerikaner, die uns bislang ansprachen, mit der Army zwei Jahre in Deutschland gewesen. Er riet uns noch einen weiteren Loop zumachen. Und wie Frauen nun einmal sind: Wenn Ihnen etwas gefällt, sind sie nicht zu bremsen. Aber in diesem Fall war das durchaus auch gut so. Dass, was wir auf den folgenden gut 3,4 sehr anspruchsvollen Milen zu sehen bekommen haben, war einfach nur toll. Die vielen, vielen Fotos zeugen davon.

Verschiedene Felsformationen in verschiedenen Farben bei tollem Sonnenschein und warmen Wetter. Der Reiseführer hatte recht, wenn er vom drittschönsten “Hike” der Welt sprach. Gut, dass wir den Amerikaner getroffen haben. Am Ende hatten unser imaginärer Milenzähler etwa 7 Milen auf der Uhr.

Auch hier kann ich nur wieder schreiben, dass dieser National Park sich wirlich lohnt. Dieser hier darf auf keinen Fall fehlen. Übrigens: Wer binnen 12 Monate mehr als drei National Parks besichtigen will, kann sich einen Annual Pass für 80 US-Dollar kaufen. Wer bis August 2011 noch einen braucht, kann sich mal vertrauensvoll an mich wenden.

Auf dem Weg zum Mounment Valley wollten wir dann Halt in der Stadt Page machen. Page ist eine naja nicht ganz kleine Stadt am Lake Powell direkt hinter der Staatsgrenze in Arizona. Dort schauten wir zunächst nach dem Stausee am Coloradoriver. Und unser Plan am nächsten Tag ein wenig die FüÜe in den Lake Powell zu halten, verfestigte sich, nachdem wir einen tollen Blick auf den Lake erhaschen konnten.

Die Motelsuchte gestaltete sich dann jedoch etwas anstrengend. Nicht ein einiziges Bett war mehr in den vielen, vielen Motels der Stadt zu bekommen. Ein netter Rezeptionist war dann so freundlich für uns im Umland zu telefonieren. Am Ende reservierte er uns ein Zimmer im Cowboy Inn. Die dazugehörige Stadt (wenn man überhaupt davon sprechen kann) hieÜ Big Water. Mittlerweile war es schon dunkel geworden und wir machten uns wieder auf den Weg zurück nach Utah, dort wo sich Big Water eben befand.

Doch wer glaubt, man würde Städte allein schon daran erkennen, dass die vielen Lichter ein bisschen Helligkeit spenden, der irrt in dem Fall. Nicht die Hand vor Augen konnte wir erkennen und recht schnell verzweifelten wir und wollten schon an einem verlassen Haus klopfen, als wir dann doch einen einzelnen Lichtschein sahen. Es war das Cowboy Inn.

Bleibt noch zu klären, wie und was das Cowboy Inn war. Zugegeben: ich hatte ein bisschen Bauchschmerzen als ich davon hörte. Der Name war ein bisschen Spooky, aber das alles war unbegründet. Wir hatten ein ordentliches Zimmer und am Ende bekamen wir noch ein Lagerfeuer für umme.

Dort trafen wir neben einem Pärchen aus Deutschland (Stuttgart), das nahe zu die selbe Westküsten-Tour machte wie wir, auch dänisches Paar. Dass Dänen schräg sind, hab ich mir schon gedacht, aber so? Die beiden jedenfalls erzählten, dass sie ihre Tour an der Ostküste in Washington begonnen hatten, nun vier Wochen unterwegs seien und ALLES mit dem Auto erreichen wollten. Beispielsweise dauerte ihre erste Tour von Washington nach Austin in Texas gut zwei Tage. Am Ende rechneten die beiden mit einer Gesamtmilenzahl von ca. 11000! Wow! Dafür muss man schon ein bisschen verrückt sein. Ansonsten waren auch die beiden ein nettes Paar und zu sechst unterhielten wir uns bis tief in die Nacht. Gut, dass wir im Cowboy Inn waren. Das bislang beste Motel mit dem gröÜten Flair.

Mormonen vs. Zion

geschrieben: 9. September, 22:20 Uhr, Los Angeles

Utah ist so ein Staat, der mir unsympathisch ist. Warum? Keine Ahnung. Schon in der NBA hab ich die â??Utah Jazzâ?? nicht gemocht. Egal wie sie hieÜen, ob Karl Malone oder John Stockton (der Ehrlichkeit halber muss ich aber hinzufügen, dass die beiden ein geniales Pärchen war, das guten Basketball gespielt haben, sonst hätten sie es ja auch nicht in die NBA-Finals geschafft). Dass ich jetzt genau in diesen Staat fahren sollte/musste, hätte ich mir auch nicht erträumen lassen. Aber gut, so war es eben. Witzigerweise wurden wir erst am Ende unserer Durchreise durch Utah von einem schwäbischen Pärchen darauf hingewiesen, dass wir uns in der Mountain Zeitzone befinden und somit die Uhren wieder anders gehen, als in Deutschland, Washington oder Kalifornien. Aber unser Schaden war es nicht. Nur hinterher erklärten sich bei uns die einen oder anderen Ungereimtheiten.

Unser erstes Ziel in Utah war der Zion National Park. Ein eher kleiner Park, den wir an einem Tag machen wollten. Und wie fast immer auf unserer Reise, hat die Zeitplanung voll funktioniert. Mit dem kostenlosen Shuttle fuhren wir zur â??hikingâ?? Strecke die an die Narrows führte. Ebenfalls eine eher semi-anstrengende Strecke – immerhin aber 2,1 Milen lang. Am Ende der Strecke musste man wollte man die Narrows sehen durch den Fluss stampfen. Mit Flip-Flops bewaffnet machten wir uns auf den Weg und stapften zum Teil knietief im Fluss – der Strömung in die andere Richtung trotzend. Was für ein SpaÜ! Die Narrows haben wir leider nur zum Teil gesehen. Die Strömung wurde so stark und das Wasser so tief, dass wir hätten schwimmen müssen. Mit Kamera, anderen elektronischen Geräten und ohne Schwimmsachen, war das leider nicht zu machen. Aber trotzdem, die gute Stunde im Fluss war schon sehr cool und erfrischend dazu.

Auch der Zion Park, obwohl er sehr klein ist, war eine Reise und seinen Eintritt wert.