No Angels vs. der Rest von “Europa”

Es ist jedes Jahr das gleiche. Am Ende fragt man sich warum man diese rund fünf Stunden investiert hat. Am Ende regt man sich über die Punktevergabe der vielen angeblich europäischen Länder auf. Aber man entwickelt auch Routine. Wenn nach den ersten drei oder vier Ländern Deutschland noch keine Punkte bekommen hat, dann sieht es finster aus. So auch gestern. Deutschland wird letzter! Auch die zwölf Punkte aus Bulgarien können das nicht beschönigen.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich bestens streiten. Focus-Redakteur findet Michael Stepper “Ja, Deutschland ist verdient letzter geworden” und Spiegel Online fällt vor allem durch einen eher geschmacklosen Ticker von Daniel Haas auf. Ich meine: nein, so schlecht war Deutschland nicht.

An den bulgarischen zwölf Punkten kann man aber exemplarisch sehen, wie das Spiel mit dem Abstimmen läuft. Im Berufsleben würde man “Vitamin B” sprechen. Jene Punkte jedenfalls hat Deutschland nur bekommen, weil No Angel Lucy aus Bulgarien stammt und dort des öfteren, wahrscheinlich als Dieter Bohlen Imitat, in der Flimmerkiste zu sehen ist. Für einen Abend vergessen die Montenegriener, dass der Serbe einem doch eigentlich spinnefeind ist und er gar nicht mehr zu Serbien gehört. Und auch die Ukrainer erinnern sich alter Seilschaften zu Russland. Dass Zypern für Griechenland anruft ist, dann auch nicht mehr verwunderlich. Worum es am Ende aber nicht geht: Die Musik, der Gesang, der Auftritt der “Künstler”.

Vielleicht waren die No Angels nicht die besten. Aber die schlechtesten waren sie definitiv auch nicht. Der Auftritt Frankreichs oder Spaniens war eine einzige Peinlichkeit. Auch die Premiere von Aserbaidschan sehr gruselig. Aber alle hier genannten landeten vor Deutschland.

Der Grand Prix gehört reformiert. Vielleicht sollte man alle Sängerinnen und Sänger auftreten lassen ohne die Namen zu nennen und ohne die Nationalitäten bekannt zugeben. Ja vielleicht sollte der Wettbewerb nur noch im Radio übertragen werden. Die Völker der Nationen stimmen dann nur noch für Nummern ab und erst danach wird bekannt gegeben welcher Künster für welches Land angetreten ist.

Europa lacht über Deutschland und der nette Deutsche sagt auch noch: “Na gerne geben wir euch Geld. Sind ja nur Gebührengelder!” So kann es nächstes Jahr doch eigentlich nicht weitergehen. Die ARD, bzw. der NDR als federführendes Funkhaus, ist jährlich einer der Top-Geldgeber beim Grand Prix, weswegen Deutschland sich ja auch nie qualifizieren braucht. AuÜerdem liefert Deutschland laut Peter Urban regelmäÜig einen GroÜteil der Licht- und Tontechnik an und in Köln laufen die europaweiten Ergebnisse zusammen. Mein Vorschlag: Das Geld für den Grand Prix in die Online-Formate von ARD investieren und den neuen Rundfunkstaatsvertrag dahingehend ändern, dass über diesen Betrag X hinaus kein Geld in Online-Aktivitäten investiert werden darf.

Es ist jedes Jahr das gleiche. Man schwört sich nächstes Jahr guck ich mir das nicht noch mal an. Und am Ende kommt es dann aber wieder anders.

In diesem Sinne: Bis nächstes Jahr!

Best Wisches

1 Kommentar von "No Angels vs. der Rest von “Europa”"

  1. 29 Mai 2008 - 9:20 am | Permalink

    Stimmt, lieber ordentliche Mediatheken als Geld für den Grand-Prix! Vielleicht sollte Deutschland einfach mal drei Jahre aussetzen und eine Pause machen. Dann kann man sich hinstzen und Gedanken machen, was anders werden soll. Mit einem frischen Konzept in der Tasche kann es dann weitergehen. Ich glaube zwar nicht, dass es dann läuft; wir hätten dann aber erst einmal drei Jahre Ruhe.

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