Schmidt vs. Maischberger

Helmut Schmidt ist schon eine imposante Persönlichkeit. Das dachte ich noch heute, als ihn rauchend in seinem Berliner Büro im Jakob-Kaiser-Haus sah. Es gibt wohl nur einen der einfach überall raucht, egal ob es ihm erlaubt ist oder nicht. Und er gehört wohl auch zu einer recht kleinen Gruppe von Menschen, die trotz dieses enormen Zigarettenkonsums solch ein hohes Alter erreichen.

Dennoch musste ich mich diese Woche sehr über Helmut Schmidt wundern. Ebenso wir Arian hab ich am Dienstagabend “Menschen bei Maischberger” gesehen.

Schmidt war dort als ausgewiesener China-Experte eingeladen. Aber natürlich, wenn sich jemand wie Schmidt die Ehre gibt, wird auch noch über vieles andere gesprochen. Schmidt nutzte die Gelegenheit, um Frau Maischberger, aber auch den aktuellen Politikern eine Lehrstunde in Deutsche AuÜenpolitik zu geben. Ich hoffe nur, dass die AuÜenpolitiker weggehört haben. Immer wieder nämlich sprach Schmidt von inneren Angelegenheiten eines Staates in die sich die Anderen, zum Beispiel der Westen, nicht einmischen dürften. Deswegen hätte er auch den Dalai Lama nicht empfangen. Er attestierte dem Westen Arroganz, wenn er sich in solche Angelegenheiten einmischen würde. Denn auch wir hätten in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht.

Aber doch gerade deswegen kommt doch Deutschland so eine wichtige Rolle in der AuÜenpolitik zu. Unter dem Deckmantel einer inneren Angelegenheit eines Staates kann die Staatengemeinschaft nicht alles durchgehen lassen. Sicher ist der Grad zwischen Arroganz und sinnvoller Intervention ein Schmaler. Und sicher war in der Vergangenheit nicht jeder Krieg berechtigt, doch heiÜt das doch nicht, dass wir die Augen vor allem und jedem mit dem Hinweis darauf verschlieÜen dürfen, dass es sich um eine innere Angelegenheit eines Staates handle. Wohin das führt, haben nicht zuletzt die Deutschen in der Vergangenheit gezeigt.

Interessant waren die Ausführungen Schmidts zu einer sinnvollen Staatsform für Staaten in Asien, aber auch Arabien. Er glaubt etwa, dass China gar nicht bereit sei für eine Demokratie. Hier kann meiner Meinung nach aus sinnvoller Intervention in der Tat Arroganz werden. Die westlichen Demokratie lassen sich eben nicht einfach in andere Regionen der Welt verpflanzen. Das beste Beispiel ist der Nahe Osten.
Völker, die ein System übergeworfen bekommen, das sie nicht kennen und das sie nicht wollen, fühlen sich dann am Ende vielleicht genauso unfrei, wie vor einer Intervention. Es ist arrogant westliche Demokratien als die Lösung für alle Probleme zu sehen.

Eins ist aber meiner Auffassung unstreitig nicht arrogant: Die Intervention in angeblichen Staatsangelegenheiten, die die Menschenrechte mit FüÜen treten. Dort ist es die Pflicht eines jeden Staates einzuschreiten. Und insbesondere Deutschland kommt hier eine besondere Verantwortung zu.

Best Wisches

3 Kommentare von "Schmidt vs. Maischberger"

  1. 22 Mai 2008 - 10:39 pm | Permalink

    Ach, Du auch. :-) Dann sind wir ja einer Meinung. Ich habe schon überlegt, ob ich einfach ein bisschen über das nachdenken muss, was Schmidt da von sich gegeben hat. Aber ich glaube, da gibt es nicht viel nachzudenken. Vielleicht formt die Geschichte und formen die jeweiligen Ereignisse zur Zeit der politischen Meinungsbildung die Weltsicht und Einstellung doch sehr?
    Was mich wirklich enttäuscht hat: Seine rückwirkende Kommentierung als Zwecknotwendigkeit, dass er damals die olympischen Spiele boykottiert hat. Weil es nötig gewesen sei, sich mit den USA solidarisch zu zeigen. Ich dachte, das wäre, im positiven Sinne, bewusste �berzeugung gewesen.

  2. 22 Mai 2008 - 10:44 pm | Permalink

    Naja, es hat aber ni der Geschichte ichnt wirklich viele gelungene Interventionen gegeben, oder irre ich mich?

  3. 23 Mai 2008 - 11:44 am | Permalink

    Nur zur Klarstellung: Mit Intervention meine ich nicht nur militärische Interventionen oder kriegerische Akte. Vielmehr fallen darunter auch diplomatische Initiativen, Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, bilaterale Gespräche. Und auch der Empfang des Dalai Lamas kann in diesem Zusammenhang als Intervention begriffen werden.

    So weitreichend wie ich das hier gerade “definiert” habe, so weitreichend meinte aber Schmidt auch seine “Nicht-Einmischungserklärung” bei Maischberger.

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