Warteraum vs. Platz 18

Willkommen in der Hauptstadt! Berlin hat kein Geld, dass ist hinlänglich bekannt. AuÜerdem schleppt sich die Stadt von Streik zu Streik. Erst die BVG-Angestellten, jetzt der öffentliche Dienst. Die Folge: Geschlossene KiTas und Bürgerämter und mittendrin: ich! Nein, ich musste kein Kind loswerden, aber ich musste mich noch immer in Berlin anmelden. Nachdem ich das eigentlich gestern morgen in Angriff nehmen wollte, mir aber der Wecker, den ich vergessen hatte zu stellen, einen Strich durch die Rechnung machte, musste ich das heute Nachmittag nachholen.

Zeitweilig waren bis zu dreiÜig (!) Leute vor mir. Bedeutet über zwei Stunden warten. Mensch, da kommt doch Freude auf. Die Zeit habe ich mir mit einer vier Jahre (!) alten Broschüre über das Deutsche Rentensystem verkürzt. Gar nicht schlecht, denn auch beruflich ist die Rente durchaus ein Thema für mich. Und zumindest die Grundzüge des Systems stimmten noch.

Das Bürgeramt Mitte sah genauso aus, wie man es sich vorstellt. Ein fieses Gebäude, dazu der Charme der 70iger und gar kein Charme bei den Angestellten. Da lobe ich mir doch das tolle Stadthaus in Münster, wo man ohne lange Wartezeit stets nett und zuvorkommend behandelt wird und in der kurzen Wartezeit auch noch Fernsehen kann. Auch über das Bürgeramt Dresden kann ich nichts negatives berichten, wenngleich hier der “Ossi-Charme” richtig krass war.

Das ist ja das zweite Mal binnen weniger Monate, dass ich mich in einer Stadt anmelden musste. Interessanterweise waren es stets unterschiedlich Angaben, die von mir verlangt wurden. In Dresden wollte man keinen Mietvertrag sehen, auch wollte man keine Angaben zu meinem Vermieter habe. Das hat sie alles nicht interessiert. Dort hätte ich auch eine Phantasie-Adresse angeben können. Wohldem, der das Meldewesen umgehen wollte. Dresden eignet sich dafür sehr gut.

Anders Berlin. Hier wollte man zwar nicht den Mietvertrag sehen, aber immerhin musste ich Angaben zum Vermieter machen. Und eigentlich wollte man auch noch eine Geburtsurkunde von mir sehen. Die hatte ich natürlich nicht, allerdings drücke die Dame ein Auge zu. Nicht ohne allerdings zu betonen, dass ich beim Beantragen von Ausweisdokumenten in Berlin immer eine solche Urkunde bräuchte.

Wieso ist das eigentlich so? Wofür braucht man eine Geburtsurkunde, wenn man einen gültigen Personalausweis vorlegen kann? Und vor allem: Wieso wird das Anmelden von Stadt zu Stadt unterschiedlich gehandhabt? Auf letzte Frage hatte die Frau vom Amt eine tolle Antwort. Zitat: “Na weil in Berlin vielleicht mehr Menschen leben!?!” Achso, jetzt verstehe ich.

Weitere – sachdienliche – Hinweise zu meinen Fragen dringend erbeten. Eine Belohnung kann ich mir nicht leisten. Da hab ich dann wohl was mit Berlin gemeinsam. Denn während ich in Dresden ein wahres BegrüÜungspaket inkl. sieben Tagen kostenlosem ÜPNV bekam, bekam ich hier auÜer einem schnöden Aufkleber auf dem Ausweis nicht mal einen feuchten Händedruck. Be Berlin!

Na dann, herzlich willkommen!

Best Wisches

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